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NEU IM TREND: ZEMENTFLIESSESTRICHE
Nachdem der Anhydritfließestrich den herkömmlichen Anhydritestrich bereits sehr stark verdrängt hat, wurden im Laufe der letzten Jahre immer wieder Versuche unternommen, auch den zementären Estrichmörtel durch den Zusatz von Fließmitteln leichter verarbeiten zu können. Die Forderung des Marktes nach längerem Einbringen und nach besserer Estrich-Ebenheit waren so stark, dass immer wieder Produkte auf den Markt kamen, die diese Forderung erfüllen sollten. Waren dies bis heute selten vorkommende, mit Fließmitteln versetzte Mörtel aus Fertigbetonwerken, so scheinen heute Werktrockenmörtel aus Silos, verarbeitet mit Schneckenpumpen, am Beginn einer interessanten Entwicklung zu sein.

Der Leiter der UZIN-Anwendungstechnik Boden-Parkett, Dipl.-Ing. Wolfgang Kugler nimmt zu diesem aktuellen Thema Stellung.

Die beiden vorstehend genannten Versionen von Zementfließestrichen, begegnen uns nahezu ausschließlich im Wohnungsbau und liegen somit immer als Estriche auf Dämmschicht vor. Doch auch die folgenden Bauarten sind denkbar (Tabelle 1).

Nachdem sich die Hersteller der Werktrockenmörtel fast immer mit der Festigkeitsklasse ZE 20, gemäß DIN 18560 begnügen, dürfte der Einsatz für Zementfließestriche zunächst auf den Wohnungsbau beschränkt bleiben.

Zusammensetzung:

Die Zementfließestriche sind ausschließlich zementgebunden und können aus diesem Grunde auch in erdreichberührten Konstruktionen, die später mit diffusionsdichten Bodenbelägen ausgerüstet wurden, eingesetzt werden. Dort ist der Einsatz von Anhydritfließestrichen nicht möglich. Auch bei Dauer-Nassbereichen ist der Zementfließestrich überlegen. Wie Zementestriche besteht ein Zementfließestrich aus Zement und Sand, dem zum "Verlauf" Fließmittel zugesetzt wird. Neuere Entwicklungen enthalten zusätzlich Fasern, die die Rissebildung während der Trocknung verhindern sollen. Die Körnung des Sandes sollte geringer sein als bei herkömmlichen Zementestrichen, meist liegt das Größtkorn bei 4 mm, während standfeste Mörtel Körnungen bis etwa 8 mm enthalten. Oft hatten mit Fließmitteln versetzte Mörtel von Fertigbetonwerken diese 8 mm Größtkorn, was zu einer Inhomogenität im Estrichkörper führte. Das Grobkorn konzentrierte sich an der Estrichkappe, die Feinteile lagen vermehrt an der Oberfläche. Der Anmachwassergehalt ist so niedrig wie möglich zu halten. Mit einem Wasser-Zement-Faktor von knapp unter 0.80 und damit einem Wasserbedarf von etwa 12 % können modern formulierte Zementfließestriche mit sehr guten Fließeigenschaften hergestellt werden. Nach Aushärtung werden dann Druckfestigkeiten um 25 N/mm² und Biegezugfestigkeiten um 5 N/mm² erreicht.

Tabelle 1

Bauphysik:

Da Zementfließestriche meist im Wohnungsneubau zum Einsatz kommen, beschränken wir uns hier auf einen Systemaufbau. Dazu gehört der Einbau einer etwa 0,2 mm dicken Polyethylenfolie, direkt auf die Betondecke, zu den Wänden hin hochgezogen, als Dampfbremse, sowie den auch bei anderen Estrichen notwendigen Unterbau aus Trittschallschutzmatten und Wärmeschutzplatten. Die Auslegung erfolgt gemäß den Normen Trittschallschutz im Hochbau DIN 4108 und Wärmeschutz im Hochbau DIN 4102. Bei erdreichberührten Konstruktionen ist eine"Abdichtung gegen Bodenfeuchtigkeit" gemäß DIN 18195, Teil 4, z. B. einer Polyisobutylenfolie mit einer minimalen Dicke von 0,5 mm, wannenartig einzubauen.

Untergrundvorbereitung:

Wie bei herkömmlichen Estrichen ist die Betondecke auf ihre Verlegereife zu prüfen. Dazu gehören insbesondere ihre Feuchtigkeit und ihre Ebenheit. Große Unebenheiten sind durch Magerbeton vorab auszugleichen, die Zementfließestrich-Platte darf keine zu großen Dickenunterschiede aufweisen. Auch auf der Betondecke liegende Heizleitungen, Rohre und Kabel müssen sorgfältig in die Dämmschichten eingelassen sein und dürfen nicht in die Estrichplatte hineinragen. Da Zementfließestriche ein mit herkömmlichen Zementestrichen vergleichbares Quell- und Schwindmaß aufweisen, sind ausreichend dimensionierte, am besten 10 mm dicke, selbstklebende Polyethylenschaumbänder, sorgfältig zu montieren. Diese Bänder müssen auch ausreichend weit über die spätere Estrichkante hinausragen. Um Schallbrücken zu verhindern, sind auch alle anderen aufgehenden Bauteile, wie z. B. Leitungen zu Heizkörpern mit diesen weichen Bändern zu ummanteln.

Zuletzt ist auf die gesamte Fläche eine ausreichend dimensionierte Fließestrichfolie oder ein Fließestrichpapier, am besten 2-lagig, aufzulegen und ebenfalls an den Wänden hochzuziehen.

Schnittskizze 1

Nach Möglichkeit sind die Stöße dieser Bahnen zu verbinden, um zu verhindern, dass zum einen fließfähiger Estrich unter die Bahnen läuft, oder zum anderen sich die Bahnen beim Einbringen des Fließestrichs verschieben und Falten aufwerfen. Nur so ist eine gleichmäßige dicke Estrichplatte zu gießen, die sich frei nach allen Seiten im Zuge der Austrocknung und bei Wärmewechseln ausdehnen bzw. zusammenziehen kann. Details dieses Aufbaus für den Wohnungsaufbau sind der Schnittskizze 1 zu entnehmen.

Das Einbringen des Zementfließestrichs verlangt ein hohes Maß an Wissen und Können, da durch die hohe Leistung moderner Silopumpen schnell fehlerhafte Flächen entstehen können.

Besonderes Augenmerk ist auf die klimatischen Bedingungen zu legen. So herrschen im Dachgeschoss andere Verhältnisse als im Kellergeschoss. In keinem Falle darf die Temperatur unter 5° C liegen. Die Wasserzufuhr muss konstant erfolgen. Schwankungen des Wasserdrucks sind gegebenenfalls auszugleichen. Auf keinen Fall darf überwässert werden, aus diesem Grunde ist das Fließmaß regelmäßig zu überprüfen und die Konsistenz des am Ende des Mörtelschlauches austretenden Materials laufend zu beobachten. Höhere Wassermenge kann zu einem Absetzen des Grobkorns oder zu einem Abdrücken von Wasser an der Oberfläche führen. Das in kontrollierter Schichtdicke eingebrachte Material wird mittels einer Schwabbelstange, vergleichbar mit der für den Anhydritfließestrich verwendeten, verdichtet.

Wird aus Silos gearbeitet, muss auf die Reaktivität des Zementes und auf eine eventuelle Entmischung des Trockenmörtels geachtet werden. Lange Zwischenlagerung in Silos kann zu Taupunkteffekten und damit zu einer Fremdreaktion des Zementes mit Wasser führen.

Die für die Förderung des Zementfließestrichs benutzten Schnecken-Pumpen sollten Pumpleistungen mit knapp 100 Litern pro Minute erbringen.

Nachbehandlung:

Die Oberfläche des Zementfließestrichs wird nach etwa 24 Stunden begehbar sein. Die Räume sollten durch Kippen der Fenster gelüftet werden. Bei hohen Kantenlängen werden Scheinfugen eingeschnitten, an denen der während der Trocknung schwindende Estrich kontrolliert reißt. Die gesamte Oberfläche wird zur Beschleunigung der Austrocknung mit einem groben Schleifpapier abgeschliffen.

Trocknung:

Die Austrocknung des Estrichs ist abhängig von einer Vielzahl von Kriterien. Während höhere Temperatur und Luftaustauschrate die Trocknung beschleunigen, wird höhere Luftfeuchtigkeit die Austrocknung verzögern.

Die Dicke der Estrichplatte hat einen sehr starken Einfluss auf die Trockenzeit und es ist nicht auszuschließen, dass bei Zementfließestrichdicken über 60 mm eine für den Baufortschritt stark bremsende hohe Trockenzeit notwendig ist, so wie wir das bei Anhydritfließestrichen hin und wieder beobachtet haben. In solchen Fällen sollten Bautrockengeräte unterstützend eingesetzt werden.

Belegen des Zementfließestriches mit Bodenbelägen:

Auch Zementfließestriche unterliegen vor ihrer Belegung den Prüfpflichten, entsprechend der Normen des jeweiligen Gewerkes. Sowohl DIN 18365 (Bodenbeläge), DIN 18356 (Parkett) als auch DIN 18353 (Keramische Fliesen) schreiben das Prüfen des Zementfließestrichs vor. Dazu gehören insbesondere die Oberflächenfestigkeit, Ebenheit, das Vorhandensein von Rissen und Fugen sowie die Restfeuchtigkeit kurz vor Beginn der Belagarbeiten.

Die geschilderten Besonderheiten des Zementfließestrichs machen es unbedingt notwendig, mittels CM-Gerät (Karbid-Methode) den Restfeuchtigkeitsgehalt zu messen. Abhängig von der Art des aufzubringenden Belages ist der Estrich verlegereif. Siehe Tabelle 2.

Tabelle 2

Während die oberen Grenzwerte für die Belegung von Zementfließ-Heizestrichen identisch mit denen der konventionellen Zement-Heizestriche sind, liegen die oberen Grenzwerte für die Zementfließestriche geringfügig höher. Durch den niedrigen Porenanteil des Zementfließestrichs wird sich schadhaftwirkende Feuchtigkeit erst bei höheren Restfeuchtewerten bilden. Wie bei Anhydritfließestrichen empfiehlt es sich, mittels Leitfähigkeitsmessung (Aucon) die feuchteste Stelle vor der CM-Messung zu suchen. Nach Abschluss der Untergrundprüfung sind gegebenenfalls Bedenken anzumelden und notwendige, außergewöhnliche Arbeiten vom Bauherrn genehmigen zu lassen. So können natürlich auch Zementfließestriche bei Bedarf oberflächen-verfestigt, erhöhte Feuchtigkeit mitgeeignetem 2-K-Epoxidharz eingeschlossen oder mittels 2-Komponenten-Harz, eventuell vorhandene Risse ausgeharzt werden.

Bei falscher Nachbehandlung beobachten wir die den Zementfließestrichen nachgesagte Randschüsselung in gleichem Maße wie bei konventionellen Zementestrichen. Es handelt sich hier um einen Mangel des Estrichs, der durch Abschleifen nachgebessert werden kann.

Nun beginnen die eigentlichen Bodenbelagarbeiten mit Reinigungsschliff, Absaugen des Schleifstaubes, Grundieren und Glätten der Oberfläche, um zuletzt entweder lose oder vollflächiggeklebt den Bodenbelag aufzubringen.

Die Oberfläche eines Zementfließestrichs wird wegen des geringeren Porenanteils und unterschiedlich großen Porengefüges etwas geringere Saugfähigkeit aufweisen. Beim Belegen mit Bodenbelägen ohne Zwischenspachtelung mit etwas höheren Ablüftezeiten ausgeglichen werden. Eine Auswahl der Belegung von Zementfließestrichen mit verschiedenen Bodenbelägen zeigt Chart 1.

Chart 1

HERAUSGEBER:
Wolfgang Kugler
Diplom-Ingenieur
Leiter der UZIN-Anwendungstechnik Boden l Parkett
Uzin Utz AG
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Telefon +49 (0)731 4097-257
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