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Der ständig wachsende Anteil der Anhydritfließestriche (AFE)
im Neubau, aber auch das häufige Auftreten von
Anhydrit-Altestrichen bei der Renovierung, hat dazu
geführt, dass sich die Hersteller von Verlegewerkstoffen
intensiv mit den Eigenschaften dieser Estrichart
beschäftigen. Für das erfolgreiche Arbeiten auf AFE sind
aber nicht nur abgestimmte Verlegewerkstoffe erforderlich,
vielmehr sollte auch der Verarbeiter mit den Besonderheiten
dieser Estriche vertraut sein. Wir wollen deshalb im
folgenden einige unserer Kenntnisse und Empfehlungen
zusammengefasst an Sie weitergeben.
Die Bezeichnung "Anhydrit" leitet sich ab vom
griechischen "an hydros", wörtlich übersetzt "ohne
Wasser". Anhydrit zählt wie Gips zu den sog.
Calciumsulfat-Mineralien. Während im Gipskristall Wasser
eingelagert ist, fehlt dies dem Anhydrit. Daher der Name.
Und nachdem heute Estriche nicht nur mit Anhydritbinder,
sondern auch auf Basis teilweise entwässerter
Gipsbindemittel auf dem Markt sind, spricht man
zusammenfassend von den so genannten Calciumsulfat-Estrichen
bzw. dann auch Calciumsulfat-Fließestrichen. Diesen
Begriffen werden Sie immer häufiger begegnen.
Für Calciumsulfat-Fließestriche werden heute im
wesentlichen folgende Rohstoffe als Bindemittel verwendet:
Naturanhydrit: Natürliches Mineral, das
bergmännisch abgebaut wird, z. B. im Harz.
Synthetischer Anhydrit: Fällt als Nebenprodukt in
der chemischen Industrie bei der Flusssäureherstellung an.
REA-Anhydrit: Wird aus in
Rauchgas-Entschwefelungs-Anlagen von Kraftwerken anfallendem
REA-Gips gewonnen.
Gips-alpha-Halbhydrat: Teilentwässerter
Spezial-Gips, der aus REA- oder Naturgips gewonnen wird.
Zur Vereinfachung bezeichnen wir
Calciumsulfat-Fließestriche im folgenden jedoch weiterhin
als AFE.
AFE haben eine ganze Reihe sehr vorteilhafter
Eigenschaften gemeinsam, auf die sich ihre zunehmende
Verbreitung begründet. Dazu gehören nicht zuletzt die hohe
Verlegeleistung, große fugenlos anlegbare Estrichfelder,
die homogene Rohrummantelung bei Heizestrichen, planebene
Oberflächen und hohe Festigkeiten.
Den Vorteilen von AFE, von denen vor allem der
Estrichleger profitiert, stehen einige Besonderheiten in der
Eignung und im Verhalten gegenüber, in denen sie sich von
Zementestrichen unterscheiden. Dazu gehören vor allem die
Feuchtigkeitsempfindlichkeit und die
Oberflächenbeschaffenheit von AFE.
Abb. 1
In Abb. 1 betrachten wir zuerst einige allgemeine
bauphysikalische Merkmale der üblichen
Estrichkonstruktionen.
Verbundestriche nach DIN 18 560 Teil 3 sind
kraftschlüssig mit dem Untergrund verbunden und zeigen eine
hohe Lastaufnahme. Sofern sie nicht auf einer speziellen
Sperrschicht liegen, kann allerdings Feuchtigkeit aus noch
nicht ausgetrockneten Betondecken in Verbundestriche
eindringen.
Estriche auf Trennschicht nach DIN 18 560 Teil 4 sind vom
tragenden Untergrund durch eine Zwischenlage getrennt und
damit als Platte frei beweglich. Eine Durchfeuchtung ist
jedoch bei hohem Feuchteandrang aus dem Untergrund oder
ungünstig liegendem Taupunkt immer noch möglich.
Estrich auf Dämmschicht nach DIN 18 560 Teil 2 erfüllen
hohe Anforderungen an die Wärmedämmung und den
Trittschallschutz. Die dauerhafte Trockenheit der
Estrichplatte ist bei Einbau einer dampfbremsenden
Zwischenschicht am ehesten sichergestellt.
AFE verlieren bei Einwirkung von Feuchtigkeit erheblich
an Festigkeit. Sie müssen deshalb nicht nur ausreichend
trocken sein (siehe Abb. 3), sondern auch zuverlässig vor
nachträglicher Durchfeuchtung oder ungünstig liegendem
Taupunkt geschützt werden. Die für Bodenbelag-, Parkett-
und Fliesenarbeiten am besten geeignete Ausführungsform
für AFE ist deshalb der Estrich auf Dämmschicht, der
sogenannte "schwimmende Estrich".
Abb. 2 zeigt das Beispiel einer empfehlenswerten
Ausführung eines schwimmenden AFE im Neubau mit eingebauter
Dampfbremse.
Bevorzugt werden AFE auch für beheizte
Estrichkonstruktionen nach DIN 18 560 Teil 2, ferner für
Hohlraumböden und in Form von Doppelboden-Platten
eingesetzt.
Prüfung und Vorbereitung von AFE
Vor der Verlegung von Belägen ist der Untergrund jeweils
gemäß
. DIN 18 352 "Fliesen- und Plattenarbeiten"
. DIN 18 356 "Parkettarbeiten" oder
. DIN 18 365 "Bodenbelagarbeiten" zu prüfen.
Abb. 2
Bei AFE ist u.a. insbesondere auf die
Oberflächenbeschaffenheit und die Trockenheit zu achten, da
es sich hier um die beiden kritischsten Eigenschaften
handelt.
Oberflächenbeschaffenheit
Zu diesem Punkt ergeben sich die Regeln des Fachs aus der
Technischen Information 2 / 1990 des Bundesverbandes Estrich
und Belag (BEB): "Hinweise zur Beurteilung und
Vorbereitung der Oberfläche von Anhydrit-Fließestrichen".
Danach müssen AFE grundsätzlich mit Schleifpapier der
Körnung 16 angeschliffen und danach mit einem
Industriestaubsauger abgesaugt werden, falls nicht
verbindliche, anders lautende Herstellervorschriften
vorliegen.
Es handelt sich dabei sozusagen um eine obligatorische
Nachbehandlungsmaßnahme bei AFE, weil Fließestriche je
nach Bindemittel- und Einbringungsart ganz unterschiedliche
Oberflächen aufweisen können.
Die Oberflächenfestigkeit des angeschliffenen oder nach
Herstellervorschrift mechanisch vorbehandelten AFE wird mit
Hilfe von Gitterritzprüfungen ggf. auch
Hammerschlagprüfungen beurteilt. Liegen auf der Oberfläche
labile Zonen oder dünne, feste Schalen vor, ist sie
mangelhaft und muss nachgebessert werden, z. B. durch
Abschleifen oder andere geeignete Abtragungsmaßnahmen.
Abb. 3
Abb. 4
Das Anschleifen, ggf. auch Abschaben, von
AFE-Oberflächen ist Gegenstand kontroverser Diskussionen.
Es kann vom Estrichleger als Nachbehandlungsmaßnahme oder
vom Bodenleger als Sonderleistung erbracht werden. Technisch
wichtig ist das Vorliegen einer einwandfrei festen und
sauberen Oberfläche zum Zeitpunkt der Verlegung.
Trockenheit
Bislang gelten für AFE die Werte 0.5 CM-% für
dampfdichte oder dampfbremsende Beläge sowie 1 CM-% für
dampfdurchlässige Beläge als normgerechte, max. zulässige
Restfeuchtegehalte.
Üblich ist die Faustregel, dass ein AFE bis zum
Erreichen der zulässigen Restfeuchte bis 4 cm Estrichdicke
ca. 1 Woche pro cm, darüber hinaus ca. 2 Wochen pro cm
Trocknungszeit benötigt.
Wie die typische Sorptionsisotherme von AFE in Abb. 4
zeigt, ist eine Eigenaustrocknung des Estrichs auf 1.0 CM-%
bei einer rel. Luftfeuchte über 80 %, auf 0.5 CM-% schon
bei einer rel. Luftfeuchte über 70 % bauphysikalisch gerade
noch möglich, dann aber nur sehr langsam (bei AFE ist CM-%
etwa gleich Masse-%).
Es müssen daher Luftfeuchten von unter 70 %, möglichst
unter 60 % vorliegen, um überhaupt innerhalb einer
akzeptablen Zeitspanne eine ausreichende Trocknung zu
erreichen.
Die Trocknung kann beschleunigt werden durch Öffnen der
Oberflächenporen einige Tage nach Einbringen des Estrichs
(z. B. durch Anschleifen, Abschaben), durch Beheizung des
Raums und/oder stoßweisen Komplettaustausch der
feuchtigkeitsgesättigten Raumluft durch trockene
Frischluft. Bei Estrichdicken über 6 cm hilft
erfahrungsgemäß z. T. nur eine Kombination dieser
Maßnahmen, um überhaupt eine ausreichende Trocknung zu
erreichen.
Normen und Merkblätter machten hinsichtlich der
zulässigen Restfeuchte bisher keinen Unterschied zwischen
unbeheizten und beheizten Estrichen. Viele Fachleute sind
sich inzwischen aber darüber einig, dass bei
AFE-Heizestrichen die Restfeuchte-Werte so niedrig wie
irgend möglich angesetzt werden müssen, da sonst bei
Inbetriebnahme der Heizung die Feuchtigkeit schadenswirksam
nach oben gedrückt wird.
Abb. 3 zeigt die empfohlenen zulässigen Restfeuchten
für unbeheizte und beheizte AFE nach neuestem Stand der
Kenntnis.
Prüfung der Restfeuchtigkeit
Die Prüfung der Restfeuchte erfolgt mit dem CM-Gerät.
Zuvor sollte mit einem geeigneten elektrischen
Feuchtigkeitsanzeige-Gerät, z. B. Aucon-Gerät, die Fläche
abgerastert werden. Die Stellen mit erhöhter
Feuchtigkeitsanzeige sollten dann als Mess-Stellen dienen.
Bei Heizestrichen hat die DIN 18 365 wegen möglicher
Beschädigungen der Heizrohre eine direkte CM-Prüfung
bisher nicht zugelassen. Als Nachweis für die Austrocknung
hatte das so genannte Aufheizprotokoll zu dienen.
Leider erfolgte ein Auf- und Abheizen gemäß
Aufheizprotokoll nur selten fachlich einwandfrei.
Dies war der Grund, weswegen der Zentralverband Sanitär
Heizung Klima im November 1998 eine neue Fachinformation "Schnittstellenkoordination
bei beheizten Fußbodenkonstruktionen" herausgab, in der
die verschiedenen, an der Planung und Fertigstellung
beteiligten Stellen, zu gewerkübergreifender Zusammenarbeit
verpflichtet werden. Während das "Funktionsheizen"
allein der Funktion der Fußbodenheizung gilt, soll das "Belegreifheizen"
einen verlegereifen Untergrund schaffen. Die Zeit und
Temperatur-Abstufungen wurden weitestgehend dem alten"Maßnahmenprotokoll
für Heizestriche" des Zentralverbandes Parkett- und
Fußbodentechnik vom August 1996 und dem darauf aufbauenden
Heizprotokoll vom Dezember 1996 entnommen.
Eine Besonderheit der Heizestrich-Bauart A3 bleibt
bestehen: Um hier den sogenannten "Vorhangeffekt" - das
ist das Abwandern von Feuchtigkeit in den Bereich unterhalb
der Heizrohre beim ersten Aufheizen - zu kompensieren, wird
ein zweites Aufheizen nach dazwischengeschalteter Abkühlung
empfohlen.
Nach Abschluss dieser Zyklen muss an vorher gemeinsam
festgelegten Messpunkten innerhalb kurzer Zeit die
CM-Feuchtigkeit gemessen werden. Die maximal zulässigen
Werte sind der Abbildung 3 zu entnehmen. Ein Hinweis auf zu
hohe Feuchtigkeit lässt sich auch durch eine auf die
Estrichfläche aufgelegte, an den Rändern mit
Selbstklebeband abgeklebte PE- oder Alu-Folie erhalten.
Kondensiert Feuchtigkeit unter der Folie (Dunkelfärbung der
Fläche bzw. kondensiertes Wasser) oder stellt sich unter
der Folie eine zu hohe rel. Feuchtigkeit ein (Messung), ist
das ein deutlicher Hinweis auf ungenügende Austrocknung.
Die neuen Kommentare zur DIN 18 365 und DIN 18 356
beschreiben dieses Verfahren.
Grundieren / Vorstreichen
Vorschriftsmäßig angeschliffene und geprüfte
AFE-Oberflächen müssen vor dem Spachteln oder dem direkten
Kleben grundsätzlich vorgestrichen werden. Dazu wird die
AFE-Spezialgrundierung UZIN-PE 240 mit der feinen
Schaumstoffrolle mit ca. 100 g/m² gleichmäßig aufgetragen
und ca. 2 bis 4 Std. Zeit für eine gute Durchtrocknung
gegeben.
Spachteln / Glätten
Auch bei AFE empfehlen wir trotz der vielfach guten
Oberflächenebenheit nach dem Vorstreichen grundsätzlich
das vollflächige Spachteln. Spachtelmassen dienen nicht nur
zum Ausgleichen und Glätten, sondern wirken auch als
Pufferzone für das Wasser aus Dispersionsklebstoffen.
Speziell für AFE, insbesondere aber für alte Anhydrit-
und Gipsuntergründe bei der Renovierung, wurde die
Fließspachtelmasse UZIN-NC 110 entwickelt. Diese Masse ist
systemgleich mit AFE ebenfalls auf
Calciumsulfat-Bindemitteln aufgebaut. Sie eignet sich vor
allem unter Textil- und PVC-Belägen im normal beanspruchten
Wohn- und Arbeitsbereich.
In mechanisch höher beanspruchten Bereichen sowie unter
Gummibelägen oder Parkett eignen sich hochfeste, zementäre
Spachtelmassen wie UZIN-NC 170, UZIN-NC 195 oder UZIN-NC
174.
Abb. 5
Kleben
Zum direkten Kleben von Belägen auf entsprechend
vorgestrichenen AFE sind grundsätzlich
UZIN-Bodenbelagsklebstoffe auf Lösungsmittel- oder
Reaktionsharzbasis geeignet. Wasserbasierende
Dispersionsklebstoffe setzen in der Regel AFE voraus, die in
mind. 2 mm Schichtdicke gespachtelt sind. Aus Gründen eines
integrierten Arbeits- und Umweltschutzes richten sich
neueste Anforderungen auf die Verwendung
lösungsmittelfreier, sehr emissionsarmer
Dispersionsklebstoffe. Aufbauempfehlungen gemäß Abb. 5
unter Verwendung von Klebstoffen des Programms UZIN-Ökoline
bieten die Gewähr für emissionsarm und geruchsneutral
verlegte Bodenbeläge auch auf AFE.
HERAUSGEBER:
Wolfgang Kugler
Diplom-Ingenieur
Leiter der UZIN-Anwendungstechnik Boden l Parkett
Uzin Utz AG
Dieselstraße 3 l 89079 Ulm
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